Restauration Porsche 356 SC

Baujahr: 1964

Dieser Porsche 356 SC verließ am 19. November 1964 die Werkshallen in Stuttgart Zuffenhausen. Bis zu Beginn der 70er Jahre sind insgesamt sechs Eigentümer im originalen Pappdeckel-Brief verzeichnet. 1996 wurde der Porsche 356 SC bei uns aufwendig restauriert.
Im Jahr 2007 erhielt er seinen jetzigen Eigentümer. Dieser ließ den Wagen durch uns über einen Zeitraum von 24 Monaten noch einmal grundlegend restaurieren.

Karosserie

Dazu zerlegten wir den Wagen und machten uns zunächst an die Überprüfung sämtlicher Baugruppen und Teile. Die Bestandsaufnahme nach der Demontage zeigte, wie gründlich die zurückliegende Restaurierung Mitte der 90er Jahre vonstatten ging. Lediglich ein Spannungsriß an der Spritzwand zum Kofferraum, eine korrodierte Heckschürze sowie die Befestigungsstrebe am Kotflügel auf der Fahrerseite mussten geschweißt bzw. gerichtet werden. Diese Mängel wurden im Rahmen der ohnehin für die Lackierung anstehenden Arbeiten behoben.

Viel Aufwand verwandten wir auf das genaue Einpassen der Türen. Diese wurden mittels Materialzusatz und Verzinnen so lange bearbeitet, bis wir ein exakt umlaufendes Spaltmaß von 3,5 Millimeter zur Karosserie hatten. Das Ergebnis ist eine perfekte Passung an Kotflügel, Schweller und Schloßsäule.
Tiefgehender Rost war unter der seinerzeit aufgebrachten Albertblau-Lackierung weder an Blechen, Falzen noch in den Hohlräumen zu finden. Lediglich der Unterbodenschutz war – offenbar aufgrund der schlechten Haftung am restaurierten Unterboden – stellenweise abgeplatzt. Dieser wurde mittels eines Dampfstrahlers entfernt. Anschließend wurde der Unterboden mit einem Rostverhütungslack (POR 15) behandelt, dann mit Unterbodenschutz (Perma Film) versehen und abschließend zum zusätzlichen Schutz mit Sprühwachs versiegelt.

Motor

Der bis dato störungsfrei laufende 95 PS-Motor wurde ausgebaut, nebst Aggregaten Überprüft und wieder zusammengesetzt. Dabei wurden teilweise neue Dichtungen bzw. Schläuche verwendet sowie das Vergasergestänge erneuert. Eine Hardy-Benzinpumpe war bereits vor geraumer Zeit verbaut worden. Zusätzlich wurde eine kontaktlose Zündung (123ignition) sowie ein zusätzlicher Ölkühler eingebaut. Hintergrund: Bei längeren Fahrten (beispielsweise auf der Autobahn) Übersteigt die Öltemperatur am Pleuelauge regelmäßig 160 Grad, obwohl in der Ölwanne viel weniger gemessen und dementsprechend im Kombiinstrument angezeigt wird. Das führt immer wieder zu Lagerschäden an den sonst überaus robusten Vierzylinder-Boxern. Zur besseren Kontrolle wurde im Armaturenbrett anstelle der Zeituhr ein von uns in Kooperation mit VDO eigens nachgefertigtes Öldruckinstrument mit originalem Durchmesser von 62 mm eingesetzt. Die Zeituhr versetzten wir neben den Haltegriff auf der Beifahrerseite – eine werksgetreue Modifikation, wie sie seinerzeit auch Porsche vornahm. Für die 12V Anlage wurde ein Batteriedeckel „Old Style Look“ angefertigt und eingebaut (für konventionelle Batterien).

Fahrwerk

Die Fahrwerkskomponenten wurden zerlegt, neu lackiert und bei der Montage durch vier neue Koni Classic Stoßdämpfer ergänzt. Zudem wünschte der Kunde den Einbau einer ursprünglich im 356 B Super 90 und Carrera verwendeten Ausgleichs-feder an der Hinterachse, die das weniger belastete kurveninnere Rad an den Boden drückt, um ein Übersteuern zu verringern.
Die Bremsleitungen wurden durch Stahlflexschläuche ersetzt, an der Lenksäule eine Hardyscheibe eingesetzt und die bisherigen 4,5 Zoll-Felgen durch aufbereitete 5,5 Zoll-Felgen der Marke Kronprinz ersetzt.

Innenraum

Die Fenstereinfassungen auf Fahrer- und Beifahrerseite sowie einige Zierteile aus dem Innenraum (Sitzbeschläge, Schalt- und Heizungshebel) wurden neu verchromt. Alle übrigen Zierteile wurden durch neue Originalteile oder Nachfertigungen ersetzt.
Im Innenraum wurden die Türtafeln sowie die Verkleidungen im Heck von einem Fachbetrieb für Lederaufbereitung wieder in einen ansehnlichen Zustand versetzt. Die Sitze wurden von einem Sattlerbetrieb komplett aufgepolstert und mit schwarzem Leder in originaler Pfeifenabnäher-Optik neu bezogen. Zuvor wurden die Sitzgestelle gesandstrahlt, aufgearbeitet und anschließend mit einer schützenden Pulverbeschichtung versehen.
Zusätzlich wurden so genannte Schlummerrollen nachgerüstet. Tacho, Drehzahlmesser und Kombiinstrument (bei VDO) sowie sämtliche Schalter wurden gereinigt und Überholt. Zudem wurde ein neuer Himmel eingespannt.

Montage

Zuvor wurden Karosserie und Anbauteile im gewünschten originalen Silberton (6206) lackiert. Nachdem der Lackierer seine Arbeit beendet hatte, begannen wir mit der Montage des Fahrzeugs. Dabei wurden ausschließlich neue Leuchtmittel verbaut. Stoßstangenhörner, Haubengriff, Zierleisten und -rahmen, Türgriffe und Radkappen wurden erneuert oder auf Hochglanz poliert, um im Vergleich mit den neu verchromten Fensterrahmen bestehen zu können. Im Innenraum wurden Türgriffe, Fensterkurbeln und Innenleuchten durch Neuteile ersetzt, ein neuer originaler Haargarn-Bouclé©-Teppich verlegt sowie ein aufgearbeitetes Nardi-Holzlenkrad (Originalzubehör aus den 60er-Jahren) installiert. Der Einbau eines Blaupunkt Radios, Modell Frankfurt aus dem Jahre 1964, das von einem Spezialisten überarbeitet und für den (äußerlich nicht sichtbaren) Anschluss eines iPods vorbereitet worden war, bildete den krönenden Abschluss dieser originaltreuen Restaurierung.

Fazit

Im Ergebnis ist ein dem Originalzustand sehr naher klassischer Porsche 356 SC entstanden, der durch geringfügige Modifikationen (Hardy-Benzinpumpe, Ölkühleranlage, kontaktlose Zündung, Ausgleichsfeder) auch bei höherer Belastung absolut alltagstauglich ist und seinem Besitzer lange Freude bereiten wird.