Porsche 911 SC Cabriolet

Vorgeschichte

Im Mai 2005 wurde der Eigentümer dieses Porsche 911 SC Cabriolet, Baujahr 1983, bei uns vorstellig. Der Kunde, der den urwüchsigen SC dem kultivierteren 3,2 Carrera vorzieht, hatte lange nach einem solch seltenen Exemplar (brillantschwarze Lackierung, grau-grünes Lederinterieur) aus der ersten 911 Cabrio-Baureihe gesucht und schließlich ein leidlich gepflegtes Exemplar im Raum Nürnberg aufgetan.
Der Wagen war trotz seiner 176.000 km Laufleistung oberflächlich betrachtet in gutem Zustand, offenbarte aber nach gründlicher Prüfung durch uns doch erhebliche Mängel. So machte sich Ölverlust am Kettenkasten bemerkbar, die Ölleitungen waren undicht und teilweise aufgequollen, die Stoßdämpfer verschlissen. Zudem wiesen die Schweller und Schlosssäulen im Bereich der B-Säule Durchrostungen auf und die unbefriedigend ausgeführte Nachlackierung war an einigen Stellen schadhaft. Der Kunde wollte das Fahrzeug zunächst eine Saison bewegen und beauftragte uns daher lediglich mit dem Austausch der Ölleitungen sowie der Stoßdämpfer, außerdem wurde eine umfassende Motorinspektion mit diversen Einstellarbeiten vorgenommen. Schließlich wurde noch der Endtopf, der von einem der fünf Vorbesitzer unsachgemäß modifiziert worden war, gegen einen Edelstahlauspuff (baugleich dem Original) ausgetauscht. So instand gesetzt, fuhr der Kunde das Fahrzeug ohne Beanstandungen mehrere tausend Kilometer und übergab es uns dann im November 2005 zu einer umfangreichen Restauration. „So nah am Original wie möglich“, lautete die Vorgabe.

Karosserie Vorreinigung

Zunächst wurden Unterboden und Radhäuser gründlich gereinigt. Mit speziellen Dampfstrahldüsen sind wir dabei auch in die schwer zugänglichen Zwischenräume vorgedrungen. Nachdem wir einige Kilogramm Schmutz zu Tage gefördert hatten, war zum einen zu sehen, wie hoch die Qualität der seinerzeit von Porsche vorgenommenen Konservierung ist: Vom Schmutz befreit, präsentierten sich beispielsweise die Bodenbleche sowie die hinteren Achsschenkel fast im Neuzustand, trugen sogar noch die von Porsche werksseitig aufgetragene Wachsschicht.
Zum anderen offenbarten sich aber auch die typischen Schwachstellen der G-Modell-Karosserie: Feuchtigkeit und Schmutz, in 23 Jahren zwischen dem Schlossblech und der Versteifung der B-Säule („Banane“) angesammelt, hatten auf beiden Seiten die Versteifung, die B-Säule und auch den Schweller „zerfressen“. Einer der Vorbesitzer hatte hier bereits das Schweißgerät angesetzt, die Arbeiten waren aber – wie viele andere Instandhaltungsmaßnahmen auch – unsachgemäß ausgeführt worden, so dass sich die „braune Pest“ weiter ausgebreitet hatte.

Karosserie Demontage und Instandsetzung

Die Karosserie wurde komplett demontiert. Dann wurden auf beiden Seiten die Schlosssäulen, Teile der Schweller sowie die Versteifungen der B-Säule entlang der originalen Schweißnähte herausgetrennt, neue Originalteile eingeschweißt und verzinnt. Zudem wurden das Bohrloch einer nachgerüsteten Antenne im Kotflügel auf der Beifahrerseite sowie Durchrostungen im Falz unter der Motorhaube und an der Endspitze des Beifahrer-Kotflügels geschweißt und verzinnt. Die Versteifungen an der B-Säule wurden, da sie im späteren Verlauf schwer zugänglich sind, sofort mit einer Hohlraumversiegelung versehen.
In den vorderen und hinteren Radhäusern wurde die teilweise schadhafte Schutzbeschichtung mit einer hochelastischen Bodyplast-Beschichtung erneuert und der Originalbeschichtung farblich angepaßt. Auch der öltank, durch Steinschlag vom Hinterrad stark angegriffen, wurde mit diesem Material überzogen und anschließend schwarz lackiert, um im künftigen Alltagsbetrieb besser geschützt zu sein.
Nachdem die Bremsanlage zerlegt, gereinigt und überholt, die Bremssättel neu lackiert (abweichend vom original in rot) sowie die herkömmlichen Bremsleitungen auf Wunsch des Kunden durch Stahlflex-Leitungen ersetzt worden waren, wurde die Karosserie – für die folgenden Arbeiten zur Schonung der Original-Fuchs-Felgen auf Design90-Räder gestellt – zum Lackieren gebracht.

Karosserie Lackierung

Der Lackierer trug das Altmaterial gründlich ab, glich die nach den Schweißarbeiten verbliebenen geringfügigen Unebenheiten mit Spachtelmasse aus und baute den Lack in mehreren Arbeitsgängen neu auf. Dabei ließ er dem Material zwischen den einzelnen Arbeitsgängen, die durch einen Klarlackauftrag abgeschlossen wurden, reichlich Zeit zum Aushärten. Das Ergebnis ist beeindruckend!

Karosserie Montage

Nach der Rückkehr aus der Lackierei wurde das Fahrzeug Schritt für Schritt wieder zusammengesetzt. Dabei machte sich die sorgsame Ausführung der Karosseriearbeiten bemerkbar: die Spaltmaße und Passungen an Türen und Hauben waren optimal! Im Rahmen der Montage wurden auch sämtliche Dichtungen an Türen und Hauben sowie die Keder und Faltenbälge an den Übergängen zu Kotflügeln und Stoßstangen erneuert. Zudem wurden die Kabelverbindungen zwischen Karosserie und Türen durch neue Kabelbäume ersetzt. Zuletzt wurde eine neue Windschutzscheibe – als Zugeständnis an die Praktikabilität aus dem Nachfolgemodell Carrera mit integrierter Antenne – eingesetzt. Das Verdeck, das noch von einem Vorbesitzer erneuert worden war und sich deshalb in gutem Zustand befand, war zwischenzeitlich tiefengereinigt und neu eingefärbt worden.

Motor/Getriebe

Der Motor wurde komplett demontiert, Überholt und auf Wunsch des Kunden mit den hydraulischen Ketten-spannern des 3,2-Carrera-Motors versehen. Während das Getriebe lediglich fein justiert und abgedichtet werden musste, gestalteten sich die Überholungsarbeiten am Motor umfangreicher: Einlass- und Auslassventile sowie die Ventilführungen und Kolbenringe wurden erneuert, die Pleuellager ausgetauscht, die Stehbolzen ersetzt und abschließend auch noch die hydraulischen Kettenspanner des Nachfolgermodells eingebaut. Im Rahmen dieser Arbeiten wurden selbstverständlich auch alle Buchsen, Stifte und Schrauben sowie sämtliche Dichtungen erneuert.

Zudem wurden die Hitzeschutzbleche zwischen den Zylindern sowie die Motorabdeckung und die Motorhalterung neu lackiert. Zusätzlich wurden die Nebenaggregate wie Lichtmaschine, Einspritzpumpe, Einspritzanlage und Ölpumpe usw. gereinigt und überprüft, bedurften aber keiner aufwendigen Überholung.
Abschließend wurde der bereits im Sommer 2005 erneuerte Auspuff durch einen neuen Vorschalldämpfer sowie ein neues Verbindungsrohr (beide aus Edelstahl) nebst neuen Dichtungen und Halterungen komplettiert. Die originalen Wärmetauscher waren bereits von einem der Vorbesitzer gegen Edelstahl-Varianten ausgetauscht worden, so dass das Fahrzeug nun über eine qualitativ hochwertige und langlebige Abgasanlage verfügt.

Innenraum

Auch im Innenraum ließen wir keine Kompromisse zu: Der Tacho, in dem sich Staub und Schmutz angesammelt hatte, wurde beim Hersteller VDO überholt, Armaturenbrett; Sitzanlage Türtafeln mit Abschlussleisten und Mittelkonsole demontiert und durch einen Lederaufbereiter wieder in grau-grünen Originalzustand versetzt und zu guter letzt ein neuer originaler Teppichsatz (Woll-Strickvelours) eingeklebt. Selbst für die von der Sonne ausgeblichenen Heizungshebel auf dem Mitteltunnel wurde Ersatz beschafft.

Fazit

Nachdem auch noch die 16-Zoll-Fuchsfelgen lackiert (Felgenstern) und poliert (Felgenbett) worden waren, präsentierte sich das mittlerweile 24 Jahre alte Fahrzeug nahe dem Neuzustand. Ein Eindruck, der sich durch die am ganzen Fahrzeug erneuerten Schrauben, Schellen und Schläuche sowie teilweise Kabelbäume auch noch im Detail bestätigt.
Es folgten diverse Probefahrten, innerhalb derer die abschließnenden Einstellungs- und Justierungsarbeiten vorgenommen wurden sowie eine komplette Hohlraumversiegelung und das Auftragen einer Wachsschutzschicht am Unterboden und in den Radhäusern. Fazit: Nach lediglich sechs Monaten Restaurierungszeit wird dem Kunden ein technisch und optisch einem Neuwagen gleichwertiges Fahrzeug übergeben, das zudem – im Vergleich zu dem 1983 ausgelieferten Originalzustand – alltagstaugliche Optimierungen (hydraulische Kettenspanner, Stahlflex- und Bremsleitungen) erhielt.
Und – auch das war dem Auftraggeber wichtig – die Restaurierung erfolgte in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen, so dass der Kunde seinen Aufwand bei einem Verkauf des Fahrzeugs am Markt auch wieder einlösen könnte.
Ein Verkauf allerdings steht nicht zur Debatte. Der Eigentümer freut sich vielmehr auf einige Jahrzehnte ungetrübten Fahrspaß. Wer einmal eines der seltenen Porsche 911 SC Cabriolets mit ihrem rauen Motor und dem 915-Getriebe mit seinen langen Schaltwegen gefahren ist weiß, dass man nicht nur einen Sportwagen, sondern einen echten Porsche-Klassiker bewegt.